AEROGRAMM
Archiv der Kategorie ‘Aktuelles‘
Berichte und Ergebnisse zur Norddeutschen Meisterschaft im Vierer Freifallformationsspringen gibt es unter dem Button Wettbewerbe direkt von der Startseite aus. Anzumerken noch die bemerkenswerten Scores von den Usual Suspect (FSZ Kassel e.V.) und Final Four Remscheid, die mit 13,9 und 16,5 Teamrekorde aufstellten. Final Four hat als erst 6. Mannschaft in Deutschland überhaupt einen Punkteschnitt von 16,5 oder höher gesprungen. Herzlichen Glückwunsch. Der frische Abiturient Chris Schäfer (eine Prüfung braucht er noch) ist der jüngste Springer in Deutschland, der so ein hohes Ergebnis erzielte und Uli Sehrbrock der Älteste. Und das in einem Team. Das ist doch eine Bemerkung wert. Wem die Zukunft gehört, möge jeder selbst entscheiden.
Auf unserem Ausweichplatz Bad Berka (in Gera konnte nicht gesprungen werden) ging es auch hoch her. Die Caravan brummte durch und musste nur zum Tanken nach Erfurth, was natürlich jedesmal etwas Zeit kostete. Vielen Dank an den örtlichen Segelfliegerclub der uns in allen Dingen vorbildlich unterstütze. Wenn es wieder einmal heißt “Flammende Sterne über Gera”, dann sind wir wieder in Bad Berka. Von so ein paar Feuerwerklern lassen wir uns doch das Springen nicht verbieten.









Hier ein paar Fotos der letzten Wochenenden.
Info: Am 26/27 Juni findet in Calden wieder ein Flugplatzfest statt. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es dann wenig bis gar keinen Sprungbetrieb gibt. Wir haben uns daher entschlossen, die Twin Otter nach Marl zu geben (wir arbeiten gerade daran, dass Aero/FSZ Kassel Rabatttickets dort abgesprungen werden können) und mit der Caravan eine kleine Flugzeugsafari nach Norddeutschland zu unternehmen. Die Ausschreibung dafür findet ihr auf der Startseite und sie wird auch noch in den Aero News verschickt. Die Safari startet am Donnerstag, den 24.Juni in Calden und endet am Sonntagabend, den 27. Juni wieder in Calden. Informiert euch bei Interesse unter 05674-99930 direkt bei Mausi.








Da der Vulkan auf Island uns ja derzeit am Boden hält, hier noch ein paar Heldengeschichten aus dem Tunnel …
Zunächst mal die 40-Punkte Runde der Usual Suspects, FSZ Kassel:

Sieht doch machbar aus, oder? Wenn ihr jetzt aber glaubt, das war schnell, watch this: Perris Fury. Die hatten da den high score, obwohl sie am Ende nicht gewonnen haben. Video by NSL-TV. Dort gibt es auch noch mehr Videos von den Topteams beim World Challenge 2010.

Na, richtig mitgezählt? Das waren dann mal eben 66 in der Zeit. Geht also noch besser als bei uns und das wissen wir natürlich auch. Deswegen üben wir ja auch weiter
War trotzdem schön.
Bis demnächst in Calden
Uwe
Tag 1, Donnerstag, 01.April 2010
Anreisetag zum World Challenge. Trotz angekündigter Osterreisewelle mit Rekord-Mega-Staus schaffen es alle pünktlich nach Dortmund und EasyJet verwöhnt uns mit on time arrival in Luton. Wie versprochen ist auch Andrea über Stuttgart und Stansted inzwischen da und holt uns ab. Zwar gab es einige Verluste, aber das Licht geht noch, Scheiben sind noch heile und das Ein- und Aussteigen als Beifahrer durch die Fahrertür klappt nach einigem Üben immer besser.
Da wir nicht erwarten, im Tunnel noch viel zu verpassen, fahren wir gleich ins Hotel, denn morgen ist Training … um 6 Uhr morgens, um genau zu sein!
Tag 2, Freitag, 02.April 2010
Fahrt zum Tunnel um 5 Uhr morgens, entsprechend wenig wird geredet. Da auch das Navi nur Quatsch erzählt und wir den Weg schon über 100 mal gefahren sind, wird es kurzerhand deaktiviert (Kommentar Katha: “Typisch Männer!”) und ich übernehme den Part mittels Zeichensprache. Bedford ist ausgestorben, so daß auch Andrea’s Freund, der Links-Kreisverkehr (Kreis-Linksverkehr?) seine Schrecken verliert.
Im Tunnel sind nur die, die das müssen, aber anhand der Videoaufzeichnungen sieht man, daß auch um Mitternacht und danach fleißig trainiert wurde. Wir teilen uns eine Stunde mit sehr netten Italienern und stellen fest, daß es trotz der Schlafenszeit sehr gut läuft. Was mag wohl drin sein? Niemand weiß es und keiner wagt eine Prognose.
Danach zurück ins Hotel, Frühstück gibt es ja noch, und dann können wir endlich ausschlafen. Nächster Pflicht-Termin ist die Registrierung, Eröffnung und offizielles Training, sozusagen als Tunnel-Justage, damit sie uns auch immer den richtigen Speed einstellen. Um es vorwegzunehmen, Bodyflight hat das perfekt gemacht. Wir hatten nicht einen einzigen Grund, über Gechwindigkeit und Konstanz der Strömung zu klagen.
Wir müssen uns unsere Startnummer auf den Helm kleben, wir haben die 53, wie Herbie, der tolle Käfer. Na, wenn das kein gutes Omen ist.
Jetzt ist es schon richtig voll im Tunnel, obwohl einige Teams das offizielle Training ausfallen lassen, denn effektiv fliegt man nur 2 mal 90 Sekunden, das lohnt normalerweise kaum. Aber wir wollen natürlich lieber alles mitnehmen, was geht. Wir fliegen die von den Judges ausgelosten Sequenzen, andere Teams machen was sie wollen, z.B alle Blöcke von 1-22 durchfliegen (Airspeed) oder Blöcke rückwärts fliegen (XL), d.h mit dem Block-Ende anfangen. Wir sind tief beeindruckt.
Tag 3, Samstag, 03.April 2010
So, nun geht’s also los. Wenn es gestern voll war, heute ist es ein Ameisenhaufen. Zum Glück ist das neue Flow-House mit der Surf-Anlage bezugsfertig geworden, so drängelt sich nicht alles im dritten Stock, wo geflogen wird. Trotzdem, man kann keine zwei Schritte gehen, ohne mit jemandem den Weg zu kreuzen.
Insgesamt nehmen 52 FS-Vierer und ca. 15 Freefly-Teams teil. Aus Deutschland kommt noch “ISB Air”, bislang noch besser bekannt als “Incognito”, mit Ex-Chica Susa als Neuzugang und leider auch mit Ersatz, da Pia sich beim Skilaufen verletzt hat (warum muß ich mir eigentlich ständig erzählen lassen, skilaufen sei gar nicht gefährlich?). So kommt Coach Gary Smith zum Einsatz, was ihm sichtlich Freude bereitet. Noch ein paar Springer aus der deutschen Szene sind anwesend. So ist noch eine Ex-Chica, Nina Kübler, mit einem österreichischen Team am Start, und unser aller Spieli Spielvogel muß als player coach bei seinen Schweizern aushelfen. Dafür startet er aber mit uns in der AA-Kategorie, während ISB-Air und Nina’s Team in der AAA-Klasse bei den “Profis” antreten.
Das “boarding” ist durchorganisiert bis ins Letzte. Bei der Registration haben wir einen Zettel bekommen, wann wir für die betreffende Runde spätestens oben sein müssen, dann dauert es noch ca. 15-20 Minuten, bis ein stets gut gelaunter Einweiser uns in die “rote Zone” bittet, in der nur die zwei Teams stehen, die kurz danach dran sind. Im Tunnel selbst ist immer nur das Team, das gerade fliegt sowie das was folgt. Immer wenn man rauskommt, rückt einer nach, so geht das 5 Runden lang mit fast 70 Teams.
Wer Bedford vom Training kennt, ist befremdet vom “leeren” Tunnel. Niemend ist in der StandBy-Kammer, nur ein Team fliegt im Tunnel, wenn es nicht so irre laut wäre, wäre es unheimlich. Adrenalin! Unsere erste Runde läuft ganz gut, zwei langsame Blöcke, 13 Punkte, so wie noch zwei andere Teams, ein erster Fingerzeig. Wir können also mithalten.
Dann Runde 2: 4 Randoms bei uns, in der offenen Klasse 5 Randoms, und da geht es richtig ab. ISB Air 45, Airspeed 55, XL 57 Punkte, dann die Franzosen-Teams mit über 60 und schließlich Perris Fury mit sogar 66 Punkten. Wo soll das noch enden? Schiedsen geht nur noch bei halber Geschwindigkeit, deswegen dauert es auch so lange.
Bei XL (Pete Allum und sein Team) sieht man, wie risikoreich solche “Burner” sind. Sie legen los wie die Feuerwehr, ich meine sogar schneller als Perris, aber dann zerplatzt das ganze Ding in einer chaotischen Serie von Busts, Folge-Busts, Folge-Folge … schließlich drehen sie sich auf den Rücken und machen Freefly. Immer noch 57, aber 9 Punkte weg auf die Führung.
Sowas soll uns nicht passieren, wir briefen wieder und wieder, rollen, laufen, visualisieren, schließlich geht’s los. Guter Anfang, Kontrolle, so wie Pete es uns beigebracht hat, dann die Beschleunigungsphase und wir schaffen es, den Sprung bis zur blauen Lampe zusammen zu halten. Geiles Ding, aber wieviel Punkte sind es, und wieviel ist gut? Zum Glück müssen wir nicht zu lange warten, und es ist eine 40 (in Worten: VIERZIG !!!). Noch nie hat einer von uns so viele Punkte in 35 Sekunden geflogen. Wir sind damit auf Platz eins, aber das bedeutet erstmal nichts. Für diese Runde allein jedoch hat der Weg sich schon gelohnt.
Der Rest des Tages läuft dann normal bis gut, nach einer etwas schwächeren dritten Runde beenden wir Tag 1 mit 100 Punkten aus 5 Runden auf Platz 1. Das kann sich doch sehen lassen.
Tag 4, Sonntag, 04.April 2010
Heute nochmal fünf Runden, so wie gestern, aber heute ist alles irgendwie anders, denn wir liegen in Führung (mit fünf Punkten) und sind nun die Gejagten. Man kann sich noch so sehr versuchen einzureden, das macht nichts, es macht doch was. Zudem sind die ersten beiden jumps nicht so toll und aus den fünf Punkten Vorsprung wird ein einziger.
Dann kommen wieder vier Randoms. Können wir nochmal so was schaffen wie gestern? Der Sprung ist nicht so flüssig wie der andere, man muß mehr nachdenken und sich konzentrieren. Schließlich gibt es doch einige Haker bei uns, aber es geht wenigstens immer irgendwie weiter. Die Konkurrenz hat 27 und 29, und wir? 31 stehen am Ende auf dem Schirm, sogar ohne Abzüge! Puuh, gut gegangen.
Noch zwei Runden, technik-lastig zwar, aber Sachen, die wir am Freitag im freien Training noch supergut gemacht haben. Und es läuft gut – high score in beiden Runden und somit 1.Platz mit 8 Punkten Vorsprung. Victoria! Nunc est bibendum oder so ähnlich!
Bei der Siegerehrung haben auch wir unseren kurzen Auftritt, es gibt eine Goldmedaille und fünf (tatsächlich, auch der Videomann wird bedacht!) vouchers für discounts beim Kauf von neuen Helmen. Na bitte!
Bei der folgenden Party ist es zwar nicht gerade überbordend, anscheinend sind viele Teams noch am selben Tag abgereist, aber die Stunts der diversen Springer, die sich beim Wellenreiten im neuen flow house versuchen, sorgen für viel Heiterkeit bei denen, die sich nicht aufs Maul legen müssen. Da ist schon ganz schön Power dahinter.
Nach einigen Drinks sind wir auch nicht mehr müde und wir müssen uns zusammen reißen, nicht bis Barschluß zu bleiben, denn in ein paar Stunden geht unser Rückflug.
Tag 5, Montag, 05.April 2010
04:15 morgens, hab ich jetzt eigentlich geschlafen oder nicht? Immerhin ist das Taxi da. Wir verabschieden Andrea, die allein nach Stansted fahren muß, und steigen in eines der berühmten “A1 Taxis” mit pakistanischem Fahrer und entsprechender Beschallung. Immerhin ist er besorgt um unsere Gesundheit und ermahnt uns, das Rauchen sein zu lassen.
Schließlich sitzen wir im (schon wieder pünktlichen) Flieger und dann im Auto nach Hause, Zeit für ein Fazit. Es hat großen Spaß gemacht, es war aufregend, die Besten der Welt in Action zu sehen. Unser Wettkampf war ein Highlight in unserer noch jungen Team-Historie, und wir machen natürlich nicht den Fehler, das Ergebnis überzubewerten. Es war “nur” AA-Class, d.h. keine Vertauscher und somit generell das, was man als einfachere Sprünge bezeichnen würde. Dazu der Tunneleffekt: man hat direkt nach dem Beginn volle Anströmung und keinen “Berg”, d.h. Schwerkraft und Anströmung sind immer schön parallel, ein wichtiger Vorteil, den jeder zu schätzen weiß, der schon mal versucht hat, unmittelbar nach dem Exit aus dem Flugzeug eine präzise Drehung zu machen.
Die wichtigste Erfahrung war sicherlich der Umgang mit dem Wettkampf selbst, in Führung zu liegen und nicht zu verkrampfen, schnell zu sein aber nicht kopflos anzurennen, auch wenn die Konkurrenz aufholt. Das haben wir gut geschafft und darüber kann man sich freuen, unabhängig von der Startgruppe. Unvergeßlich auch der high score in Runde zwei.
Zwar haben wir nun die Saisoneröffnung in Calden verpaßt, aber wir holen das nach und freuen uns, daß einige trotzdem an uns gedacht haben. Vielen Dank für die mails, die wir zur Unterstützung bekommen haben. Wir sehen uns!
Wem das alles noch nicht reicht: Ergebnisse und Reportagen gibt es auch auf www.skyleague.com sowie www.worldchallenge.info
Samstag, 0950 Uhr
Der letzte Tag ist angebrochen. Gestern ging gar nichts mehr. Mit keinem Flugzeug der Welt haetten wir einen Lift nach oben bringen koennen. Der Wind wehte den ganzen Tag zu stark aus West. In Absetzhoehe gab es bis zu 80 Knoten Wind. Eine vorzeitige Schirmoeffnung haette die Springer Richtung Ibiza getrieben. Der Staff nutzte die Zeit um die Kurse abzurechnen, Flughafen und Tankstelle zu bezahlen, das Hotel abzurechnen und Einkaufsfahrten zu erledigen. Einige Springer fingen bereits Mittags mit der Strandparty an, die dann beim Abendessen zu einige skurillen Szenen fuehrte. Die eine oder andere Springerin brauchte schon den ganzen Tisch, um unfallfrei das Abendessen zu sich zu nehmen.
Heute ist es sonnig und springbar. Wir machen das beste aus der Situation und fliegen mit der Soloy was geht. In Absetzhoehe ist es zwar noch windig, aber nach unten hin geht es ganz gut. Vielleicht kann Shorty ja noch einige AFF Spruenge an den Himmel zaubern.
Wir werden gegen 1600 Uhr Castellon verlassen und uns Richtung Heimat aufmachen. Die, die noch da sind, werden hier bei skytime Castellon weiterspringen koennen.
Das wars mit dem Tagebuch Castellon 2010. Eine aufregendes Castellon geht zu Ende. Im Grunde sind alle sehr sehr zufrieden. Es war wieder einmal schoen hier in Spanien. Wir sind bis jetzt verletzungs- und reservefrei geblieben und hatten nur eine einzige harmlose Aussenlandung, das ist das wichtigste Ergebnis.
Hasta Luego und bis zum naechsten Jahr, wenn es denn zum 24. Mal heisst: “Aero goes Castellon”
Mausi
Freitag 1200 Uhr
Wir sind immer noch auf einem windhold. Der Bodenwind ist “meistens” springbar, aber halt nicht immer. Der Hoehenwind pfeift in 3000 Meter mit 70 Knoten aus Westen, dh er drueckt komplett aufs Meer. Eine hohe Schirmoeffnung und man kann Probleme bekommen, ein cutaway und der Schirm landet in Ibiza. Die Verwegenen koennten bei Ivan direkt springen, aber dann gehen Mausi, Harry, Eddi und Goeri schoen an Strand und schauen uns das Ganze aus der Ferne an.
Viele reisen heute ab, aber morgen werden wir schon versuchen, die Soloy noch in Luft zu bekommen. Ich werde heute noch versuchen, die Declathon Einkaufsliste abzuarbeiten.
In diesem Sinne
Mausi
Freitag, 0845 Uhr
It is a big adventure to do a skydiving operation, dass sagte ich schon mal, aber in einem anderen Zusammenhang. Gestern abend nach Load 24 und einigen Schraubversuchen der Piloten war leider klar, dass die Beech in die Werft muss und nicht mehr fliegen kann. Es ist so und man kann es auch nicht aendern. Wir haben dann am Abend im Hotel etwas organisiert, einige Szenarien durchdacht -Flugzeug aus Portugal, Ampuria, Lillo etc anchartern- alles aber wieder zerschlagen, da es ja wirklich kurzfristig ist und dann auch nur fuer 1,5 Tagen. So haben wir einen Notfallmanifestplan mit der Soloy erstellt, mit den Gruppen geredet und uns dann mit schlauem Gesicht an die Bar gestellt.
Und… wie ist dann heute frueh am Platz? Wir haetten alle Flugzeuge Spaniens hier haben koennen, gesprungen werden kann nicht. Der Wind blaest mit 30 Knoten uebern Platz und wird in der Hoehe auch nicht weniger, so dass wir ersteinmal unterbrochen haben und dann mal schauen. Fuer heute soll es nach der Vorhersage so bleiben. So koennen wir ein wenig Buchhaltung nachholen, Einkaufsfahrten anbieten etc..
Jetzt Cafe con Leche
Mausi

